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Vertrauen – stark und zerbrechlich

Kunstwand Wentorf Vertrauen Vertrauen auf dem Weg - Foto: Frauke Rörden

Neben einem Fußweg steht in großen Buchstaben das Wort „VERTRAUEN" auf einer Holztafel. Sie ist Teil eines Streetart-Projekts "Kunstwand" während der Kulturwoche in Wentorf bei Hamburg. Was heute dort steht, kann morgen schon wieder übermalt sein.

Als ich an der Wand vorbeiging, blieb ich stehen. Nicht wegen der Kunst allein, sondern wegen dieses einen Wortes. Vertrauen. Ein großes Wort. Ein kostbares Wort. Und eines, das gerade in der Krankenhausseelsorge immer wieder eine wichtige Rolle spielt.

Vertrauen ist nicht automatisch vorhanden, auch wenn das schön wäre. Es braucht Zeit, Geduld und manchmal auch Mut.

Gerade dann, wenn wir uns verletzlich fühlen – etwa während eines Krankenhausaufenthalts – erscheint Kontrolle oft als der sicherere Weg. Wir möchten verstehen, was geschieht, und möglichst viel selbst beeinflussen können. Das ist menschlich und gut so. Zugleich stoßen wir angesichts komplexer Erkrankungen und Behandlungsabläufe immer wieder an Grenzen.

Für Menschen, die mit einem großen Vertrauensvorschuss ins Krankenhaus kommen, mag das leichter auszuhalten sein als für diejenigen, die neuen Situationen eher mit Zurückhaltung oder Skepsis begegnen.

Beide Haltungen – Vertrauen und Skepsis – haben ihre Geschichte. Wer vertraut, ist nicht naiv. Und wer misstrauisch ist, ist kein Nörgler. Hinter beiden stehen Erfahrungen, die ernst genommen werden wollen. Und das betrifft nicht nur die Behandlung, sondern auch die Krankenhausseelsorge. Gegenüber Kirche und Glauben, die ich als Seelsorgerin repräsentiere, gibt es manchmal Vorbehalte, offene Fragen, Enttäuschungen oder auch Misstrauen.

Die Krankenhausseelsorge möchte ein Ort sein, an dem all das ausgesprochen werden darf.

Nicht, um schnelle Antworten zu geben. Sondern um zuzuhören, Lebensgeschichten zu würdigen und Menschen dabei zu begleiten, ihren eigenen Weg zu finden - wenn möglich, zu mehr Vertrauen, was auch einfach Selbstvertrauen sein kann.

Heute steht das Wort groß und selbstbewusst auf der Wand. Und doch kann es morgen schon wieder verschwunden sein. Vielleicht ist Vertrauen genau so: stark und zugleich verletzlich.

Eine Einladung

Wo haben Sie in Ihrem Leben Vertrauen erfahren?

Wo ist es gewachsen?

Und wo wurde es enttäuscht?

Vielleicht nehmen Sie sich einen Moment Zeit, darüber nachzudenken. Im Stillen. Im Gespräch mit anderen. Oder als Kommentar unter diesem Beitrag.

Denn Vertrauen lebt davon, dass Menschen einander zuhören.

Pastorin Frauke Rörden - vor Ort in Reinbek und online für Sie da
 

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Montag, 20. Juli 2026