Adieu - mit Dank und Hoffnung
Ein Persönlicher Rückblick nach 11 Jahren Leitung der Krankenhausseelsorge in Hamburg
Nun heißt es bald „Adieu" zu sagen, denn ab September werde ich pensioniert und bin dann „Pastor emeritus". Über 11 Jahre war ich als Leitender Pastor für die evangelische Krankenhausseelsorge in fast allen Hamburger und vier schleswig-holsteinischen Krankenhäusern verantwortlich. Es wurde organisiert und geplant, es wurden Stellen besetzt, Gelder beschafft, Gremien geleitet, Rahmenbedingungen ausgehandelt.
Vor allem habe ich als Dienstvorgesetzter diejenigen begleitet und unterstützt, die als Krankenhausseelsorger*innen die eigentliche Arbeit vor Ort leisten. Dadurch bin ich tief in die Materie eingetaucht. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich ganz genau weiß, was in der Krankenhausseelsorge alles tagtäglich geleistet wird. Wäre das nicht alles hochvertraulich, könnte ich ganze Bücher schreiben. Es ist beeindruckend, wie viele Menschen seelsorglich begleitet werden und in was für Situationen. Manche kann man sich kaum vorstellen, hat man sie nicht selbst erlebt. Sie sind so schwer, dass nur wenige sie aushalten können. Und dazu gehören eben die Krankenhausseelsorger*innen. Das bekommen aber leider nur wenige mit. Und ich war 11 Jahre lang einer von denen.
Darum gehe ich mit einem Gefühl großer Dankbarkeit. Dankbar, dass ich diese tiefe Einsicht in die vielfältige, wichtige Arbeit erhalten habe und dankbar, dass es Krankenhausseelsorge gibt. Ich fand sie schon immer gut und wichtig, habe als Gemeindepastor mit dem Krankenhausseelsorger vor Ort eng zusammengearbeitet. Aber nun habe ich noch einiges mehr an Respekt vor dieser Arbeit. Sie hat keinen Selbstzweck, sondern ist nur für Menschen da. Sie gibt, ohne zu fordern. Sie hält aus, trägt mit und kann die Seele aufrichten. Ein Dienst, der sehr viel Kraft kostet. Aber immer wieder wurde mir mit leuchtenden Augen gesagt: „Herr Brinkmann, ich bin so gerne Krankenhausseelsorger*in! Ich kann für so viele Menschen da sein. Und ich bekomme so viel zurück." Von daher gehe ich nicht nur mit einem Gefühl großer Dankbarkeit, sondern auch mit großer Hoffnung: Es wird immer Krankenhausseelsorge geben. Sie wird sich wandeln. Aber sie bleibt bei den Menschen. Denn hinter ihr steht Gott und Gottes Zuwendung zu uns Menschen. Gott ist oft präsent an den Krankenbetten, vielfach unausgesprochen. Aber was von Gott kommt, das bleibt, und damit auch die Krankenhausseelsorge. In diesem Sinne also: „Adieu!"
Die Krankenhausseelsorge hat keinen Selbstzweck, sondern ist nur für Menschen da. Sie gibt, ohne zu fordern. Sie hält aus, trägt mit und kann die Seele aufrichten.
Kommentare