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"Jeder Tag ist meiner und ganz besonders wertvoll!"

Onko-Cafe-Greifswald-Brita-Bartels

Das Onko Café + Kids in Greifswald stärkt junge Frauen mit Krebs. Ein Bericht zum Weltkrebstag.

 Gemeinsam einzigartig. Das Motto des Weltkrebstages 2026 scheint wie für das Onko Café + Kids an der Universitätsmedizin Greifswald gemacht. Einmal im Monat sprechen hier jüngere Frauen, über das, was sie bewegt. Sie leben schon längere Zeit mit einer Krebserkrankung, meist über viele Jahre. Sie müssen Untersuchungen und Therapien mit viel Auf und Ab über sich ergehen lassen. Dennoch stehen sie im Alltag „ihre Frau", sorgen für Kinder, Familie, Haus und Garten und sind, soweit Kraft und Gesundheit das möglich machen, berufstätig.

„Der Gesprächsbedarf war da und noch viel wichtiger war mir der Austausch mit Gleichgesinnten in meinem Alter", sagt eine langjährige Teilnehmerin. „Unsere Treffen geben mir einen verlässlichen Rahmen und Verständnis für körperliche oder kognitive Einschränkungen, was im Umkreis und in der Arbeitswelt nicht immer gegeben ist. Wir sind offen zueinander und können Themen besprechen, für die die Familie vielleicht weniger ein Ohr hat: Wie haben sich beispielsweise Freundschaften verändert mit der Erkrankung? Welche Zukunftsängste haben wir und wie können wir mit ihnen umgehen?"

Kinderbetreuung schafft Freiraum

Das Café gibt es seit 2019. Die Krankenhausseelsorgerin Pastorin Brita Bartels hat es in Kooperation mit den Mitarbeitenden des onkologischen Zentrums der Universitätsmedizin Greifswald ins Leben gerufen. Seitdem organisiert und leitet sie es.

Das i-Tüpfelchen, dass die Teilnehmerin vom Onko Café überzeugte, ist die Kinderbetreuung. Frauen von der ehrenamtlichen Patientenbegleitung, die ihrerseits von der Krankenhausseelsorge Greifswald ausgebildet und begleitet werden, kümmern sich um die Kinder. Sie spielen mit den Kindern, erzählen, lachen, singen, malen und werkeln, während die Mütter den Freiraum des Miteinanders genießen.

„Die Kinderbetreuung ist ein echtes Geschenk. Als Mama habe ich nicht immer die Möglichkeit, Treffen neben der Arbeit am Nachmittag zu organisieren. Mein Mann springt schon gern ein. Aber die Erkrankungs- und Therapiezeit hat viel Unruhe im Familienleben gebracht. Da ist es umso schöner, meine Tochter in den Kreis mit einzubeziehen und ihr zu zeigen, dass unsere Familie solche Krankheiten nicht allein zu überwinden hat."

Gespräche können Sorgen mildern

Auch bei den Müttern wird nicht nur geweint und ernsthaft geredet, sondern auch viel gelacht. „Mit der Zeit hat sich eine wundervolle Vertrautheit aufgebaut, die ich nicht mehr missen möchte. So manche Problemlage lässt sich im vertrauten Kreis gut besprechen."

„Für mich ist der Austausch mit Frauen wichtig, die auch wieder in den Arbeitsalltag nach einer langen Therapie einsteigen", sagt eine andere Teilnehmerin. „Es beflügelt und spornt an, trotz einer Behinderung über seine Grenzen hinauszuwachsen und sich immer wieder aufs Neue zu motivieren. Man muss es einfach versuchen. Gespräche können Sorgen mildern. Im Arbeitsalltag muss man funktionieren, denn Kollegen sehen einem die Krankheit oft nicht an."

„Dennoch", sagt sie, „gibt es auch Momente, die nachdenklich stimmen, die wie Rückschläge wirken und einen mitten ins Herz treffen. Besonders dann, wenn bei einer aus der Gruppe der Krebs zurückkehrt, alles wieder von vorne beginnt oder sich sogar unsere Wege für immer trennen. Und in diesen Momenten sind wir besonders auf seelische Hilfe angewiesen."

Christuskirche Greifswald ist ein guter Ort

Für diesen Austausch braucht es einen besonderen Raum, eine Vorbereitung, die nicht die Frauen leisten müssen, und eine Moderation, die manche Emotion sicher hält. Deshalb treffen sich die Frauen außerhalb der Klinik im Evangelischen Gemeindezentrum der Christuskirche Greifswald. Dort gibt es eine Küche und Räume für Begegnung und Bewegung. Die langjährige Teilnehmerin schätzt das: „Den Raum in der Kirche sehe ich als unseren geschützten Ort - auch ohne christlichen Glauben. Die Spiritualität schätze ich als bedeutsam ein und zugleich bleibt sie sehr individuell. Rituale, Texte oder Bilder regen mich zum direkten Nachdenken an und lenken zugleich von den alltäglichen Anforderungen ab. Sie wecken meine Sehnsucht."

„Jeder Tag ist meiner und ganz besonders wertvoll!" - Das setzen die Frauen in Lebenspraxis um. Sie leben ihre einzigartigen Leben in vollen Zügen und mit allen Facetten. Vor allem aber halten sie zusammen. Schon längst geschieht auch zwischendurch viel miteinander: Nachrichten auf dem Smartphone, Treffs zu zweit oder zu dritt, Telefonieren bis in die Nacht… – sie sind eng verbunden und nehmen regen Anteil an Sorgen, Ängsten und Freuden der anderen.

Jährliches Sommerausflug stärkt die Verbindung

Im Sommer gibt es immer einen gemeinsamen Ausflug: Bootsfahrten, Inseltouren, Kreativangebote und Picknicks am Wasser. Das tut gut - gerade in der wunderschönen Region an der Küste. „Auch unsere sommerlichen Highlights sind es, die uns noch mehr verbinden und vor allem schöne gemeinsame Erinnerungen schaffen, was einfach so viel wert ist."

Dieser Kreis soll wachsen: „Ich wünsche mir, dass wir weiter so bestehen bleiben können. Ich schätze unsere Vertrautheit sehr, weil wir unsere Krankheitsgeschichte nicht so oft neu "auspacken müssen", was durchaus belastend sein kann. Trotzdem soll unser Kreis für neue Frauen offen sein. Ich weiß ja, wie toll er ist und von daher erzähle ich gern über ihn."

Wenn Sie diese Gemeinschaft unterstützen möchten, können Sie an folgendes Konto spenden (Spendenbescheinigungen werden ausgestellt): Pomm. Ev. Kirchenkreis IBAN: DE45 5206 0410 0605 4302 24 BIC: GENODEF1EK1 Stichwort: Onko Café Krankenhausseelsorge Greifswald

Wenn Sie als Betroffene Kontakt aufnehmen möchten, wenden Sie sich an Krankenhausseelsorge Greifswald: Pastorin Brita Bartels, Tel. 0151 25084607, Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Alle Fotos von Sandra Peters,

 

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Sonntag, 15. Februar 2026