Neuanfang im Zentrum für Gesundheitsethik
Nach über 20 Jahren verlässt Hildegard Emmermann die Krankenhausseelsorge
Eine bewegte Woche liegt hinter mir. In wenigen Worten zusammengefasst: Nach über 20 Jahren bin ich aus der Krankenhausseelsorge ausgeschieden - mit einer mich sehr bewegenden Verabschiedung im UKE, wo ich die letzten 12 Jahre unterwegs war. „Kurz vor der Zielgeraden des Ruhestandes", wie mehrfach gesagt wurde, will ich in den letzten Berufsjahren noch einmal Neues wagen. Ich werde künftig das Zentrum für Gesundheitsethik (ZfG) in Hannover kommissarisch leiten. Die Nordkirche beurlaubt mich.
Und die Langfassung? Seit 2014 war ich mit großer Leidenschaft Krankenhausseelsorgerin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf UKE. Meine Arbeitsschwerpunkte lagen in der Begleitung von Kindern mit ihren Familien, Menschen aller Altersgruppen mit Herz- und Gefäßerkrankungen oder mit psychiatrischen Erkrankungen. Viele Lebensgeschichten habe ich begleiten dürfen, manche über viele Jahre hinweg.
Trauer, Wut, offene Fragen, Erlösung, Beglückendes, Wundervolles und noch viel mehr sind mir in der Zeit begegnet. Nicht nur bei den Patient:innen mit ihren An- und Zugehörigen, sondern auch im Unterwegssein mit den Kolleg:innen und Mitarbeitenden - wenn zum Beispiel lange um ein Leben mit chronischer Erkrankung im Kindesalter gerungen wurde.
Gesundheitsethik ist immer wichtiger geworden
Und daneben war und ist es mir sehr wichtig geworden zu reflektieren, was Handeln im Gesundheitswesen umfasst: Sind die eingeschlagenen Wege eigentlich angemessen? Die Frage um die Würde des und der Einzelnen in der Behandlung muss jeden Tag neu gestellt werden und verlangt nach ethischen Maßstäben. Das gilt für den Beginn des Lebens bis hin zu seinem Ende.
Ich habe deshalb von 2020-22 noch einmal berufsbegleitend Angewandte Ethik studiert und darf mich seit dem Abschluss meines Masters „Trainerin für Ethikberatung im Gesundheitswesen (AEM), Kompetenzstufe K 3" nennen. Vielfach habe ich Ethikfallberatungen moderiert, in Arbeitsgruppen die Über- oder Erarbeitung von neuen ethischen Leitlinien koordiniert oder versucht im „ganz normalen Stationsalltag" dafür zu werben, offen zu werden für das ethische Reflektieren.
Gut geerdet auf neuem Terrain
Eine reiche Zeit, die ich nur so in dieser Vielfalt leben konnte, weil ich mich trotz und in allem getragen fühlte von diesen Worten des Psalmbeters oder der Psalmbeterin, die über meinem Abschied standen: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf all Deinen Wegen."
Meiner Begeisterung für die Gesundheitsethik darf ich jetzt noch einmal viel Raum geben in der Mitarbeit im Zentrum für Gesundheitsethik (ZfG). Was mich alles erwartet, kann ich nur erahnen, aber in den letzten Wochen habe ich schon bei der Organisation von Tagungen und Fortbildungen mitgewirkt. Erste Vortragsanfragen stehen auch schon in meinem Kalender. Aber: Die mich tief berührenden Erfahrungen aus vielen Begleitungen mit den erkrankten Menschen, ob groß oder klein, werden immer einen Platz in meinem Herzen behalten und mich im ethischen Reflektieren gut erden.
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