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Keine Angst vor Tränen

SteinSternenkinder Stein am Gräberfeld für während der Schwangerschaft verstorbener Kinder

Sternenkinderbestattungen in Reinbek

Ein Beitrag von Annemarie Nyqvist

Übersicht der Kissensteine mit Kindermotiven 
Friedhofsbänke für Groß und Klein

 Wenn Eltern ein Kind während der Schwangerschaft verlieren ist das ein besonders trauriges Ereignis, vielleicht auch, weil es kaum nach außen sichtbar ist. „Es sieht ja keiner." „Man kann kaum darüber sprechen, denn wer hält denn die Trauer aus?" Solche Sätze höre ich als Seelsorgerin, wenn Eltern zu mir kommen und einen Raum zum Reden dafür suchen.

In der Kapelle unseres Krankenhauses gibt es eine „Himmelssäule", an der Eltern einen Sternstein heften können, ihrem Kind einen Namen geben und somit immer wieder zum Ort des Geschehens zurück kommen und erinnern können. Diese Himmelsäule hat sich inzwischen ganz schön gefüllt und man kann erahnen, dass die Menschen miteinander durch Anteilnahme und Trauer verbunden sind.

Neben den knapp 1000 Geburten pro Jahr gibt es eben auch die Kehrseite, dass es leider nicht alle Kinder ins Leben schaffen. Deshalb gibt es alle vier Monate eine Bestattung der Sternenkinder, zu der wir alle Betroffenen (die das möchten) einladen. Gemeinsam mit dem Bestattungsunternehmen Richardt, der Hebamme Kerstin Noack, der Koordinatorin für Frühe Hilfen Catrin Peter und einem Gitarristen, beerdigen wir als Seelsorgende diese kleinen Seelen. Gemeinsam mit den Eltern verabschieden wir uns, würdigen den gegangenen Weg und schauen behutsam auf die Tränen und die Sehnsucht nach diesen Kindern.

„Weißt du wieviel Sternlein stehen" liegt als Melodie hinter all den Worten. Blütenblätter, Erde und Weihrauch wird mit ins Grab gelegt. Ein Steinmetz hat für jede einzelne Bestattung einen Stein mit einem Symbol erstellt, sodass man immer die richtige Grabstelle wieder finden kann. Manchmal erfüllt ein Schluchzen die ganze Kapelle – und auch wenn es schwer auszuhalten ist, so ist doch allen klar, dass man dies nur gemeinsam halten und tragen kann. Dass Trost und Halt nur in der Berührung, der Umarmung, dem Verstehen zu finden ist. Allen ist klar, wegschauen ist schlimmer, als dem Schmerz entgegen zu treten.

Diese Erfahrung ist nicht leicht – aber ich wünsche allen, die durch diese Situation gegangen sind, dass sie Menschen haben, die verstehen und die keine Angst vor Tränen haben. 

Annemarie Nyqvist an der "Himmelssäule" Foto: Krankenhaus Reinbek St. Adolf Stift
 

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Montag, 19. Januar 2026