"... und worauf hoffst Du?!"
Treffen der Krankenhausseelsorger:innen der Nordkirche in Ratzeburg am 16./17.9.2025
Seelsorge zwischen Realismus, Blauäugigkeit und Zuversicht – Dieses Thema bewegten ca.60 Seelsorgerinnen und Seelsorger aus Krankenhäusern und Kliniken der gesamten Nordkirche während ihres Treffens am 16.-17.9.2025 im Christophorushaus Bäk bei Ratzeburg.
Highlight des ersten Tages war ein Podiumsgespräch mit Elke Holz, Kennerin des Gesundheitswesens und ehemalige Bundesvorsitzende von FiM (Frauen im Management), und Janosch Oehme, Techniker, Musiker und seit 14 Jahren querschnittsgelähmt. Sehr persönlich sprachen beide über den Unterschied von Hoffen und Wünschen. Für Elke Holz sei die Hoffnung eine lebenslange Anstifterin zu neuen, von anderen oft als „unrealistisch" bezeichneten Vorhaben. „Die Hoffnung ist mein Lebenselixier", sagte sie sehr authentisch. Für Janosch Oehme ist die Hoffnung eher ein diffuses Gefühl. „Ich habe mein Leben so geformt, das ich morgens nicht hoffen muss, sondern handeln kann." Sich nicht an unrealistische Wünsche zu klammern, sondern den eigenen Handlungsraum in den Fokus zu stellen und die Schönheit des Lebens zu teilen – das sei sein Leitfaden. Nach einem lebendigen Austausch im Saal endete das Podiumsgespräch mit viel Applaus. Die Begegnungen werden bei den Seelsorgenden nachwirken.
Am zweiten Tag stand „Seelsorge im Bündnis-, Spannungs- und Verteidigungsfall" im Mittelpunkt. Militärseelsorger Jens Proeve hielt einen Vortrag über derzeitige und möglicherweise zukünftige Aufgaben im Bereich der Seelsorgearbeit mit Soldatinnen und Soldaten und ihren Familien. Im Gespräch wurde klar: Käme es zu einem Krieg– was Gott verhüten möge –, wären auch Krankenhäuser und damit auch die Krankenhausseelsorge sehr stark davon betroffen. Damit war ein schweres und auch spannungsreiches Thema im Raum, das in dem Kreis zum ersten Mal in der Dichte besprochen wurde. Realitäten wahrnehmen und trotzdem Hoffnung bewahren und Frieden stiften – das ist und bleibt die Aufgabe der Seelsorge. Aber allen wurde auch klar: Hier steht die Krankenhausseelsorge in einem großen Zusammenhang, der noch mehr Zeit und Aufmerksamkeit benötigt.
Insgesamt war die Tagung von einem vertrauensvollen und kollegialen Miteinander geprägt. Es ist ein Geschenk, voneinander erfahren und miteinander lernen zu können. Am Ende der Tagung feierten die Teilnehmer:innen einen Gottesdienst, in dem die Themen in Gebeten und Liedern Ausdruck fanden, so dass alle am Ende alle gestärkt und ermutigt nach Hause fuhren.
Fotos: Frauke Rörden
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