Von der Digitalwirtschaft zur Krankenhausseelsorge – eine ungewöhnliche Karriere
Seit Anfang Januar ist Stefanie Hanke die Leiterin der Krankenhausseelsorge im Erzbistum Hamburg. Ihr Weg bis zu dieser Stelle ist verblüffend und folgerichtig.
Es war, als ob sich alle Puzzleteile zu einem Ganzen zusammengefügt haben, erzählt Stefanie Hanke über den Moment, als sie ihre Stelle angeboten bekam. Das erste Puzzleteil ist ihr Grundstein: Die katholische Erziehung, die Jugendarbeit als Ministrantin und Pfadfinderin, die Erfahrung von Gemeinschaft in den Sommerlagern auf Ameland. Die folgenden Teile liegen viele Jahre unverbunden daneben.
Stefanie Hanke studiert zunächst Sprachen, arbeitet viele Jahre lang in Digitalunternehmen, unter anderem bei Google. Schon da taucht die Frage auf: Reichweiten erhöhen? Ist es das auf Dauer? Es folgen zehn Jahre als Projektmanagerin bei einem Stellenmarkt für Akademiker. Auf Messen, wenn sie Stellensuchende persönlich beraten habe, habe sie sich sehr wohl gefühlt, erzählt sie. Der direkte Kontakt zu Menschen liegt ihr, doch die Frage bleibt: Gibt es etwas, was mir inhaltlich nähersteht?
Der Wendepunkt: ServiceCenter und Studium der evangelischen Theologie
Als sie ihren Mann kennenlernt, besuchen beide auch häufiger evangelische Gottesdienste. So bekommt Stefanie Hanke erstmals näheren Kontakt zur evangelischen Kirche und entdeckt die Schätze beider Kirchen neu. Sie gründen eine Familie, bekommen eine Tochter. Doch die beruflichen Fragen bleiben. Sie fängt an, sich bei den Kirchen umzuschauen. 2019 hört Stefanie Hanke erstmals vom Studiengang „Master of Theological Studies" in Greifswald, den sie berufsbegleitend überwiegend online absolvieren kann. Die Katholikin beginnt, evangelische Theologie zu studieren. Parallel dazu bewirbt sie sich auf eine Stelle, auf der ihre Fähigkeiten als Projektmanagerin gefragt ist.
2021 wird sie Fachbereichsleitung ServiceCenter Kirche und Diakonie beim Ev.-Luth. Kirchenkreisverband Hamburg. Dort melden sich Menschen per Telefon, Mail oder Whatsapp, die eine kirchliche und diakonische Einrichtung suchen – egal, ob sie wieder in die Kirche eintreten möchten oder ob ihnen die Schulden über den Kopf gewachsen sind.
Die Stelle ist ein Glückfall. Die wöchentlichen 20 Stunden lassen Stefanie Hanke den Raum, sich ihrem Lebensthema, der Frage nach Gott und nach dem Glauben neu zu stellen. Sie büffelt zunächst Griechisch und Hebräisch und beschäftigt sich dann drei Jahre lang mit biblischen Quellen, ihrer Geschichte und ihrem heutigen Verständnis, reflektiert, wie sie ihr Leben als Christin gestalten kann und entwickelt Perspektiven für ein christliches und kirchliches Leben in Zukunft. Inhaltlich empfindet sie das als große Bereicherung, sagt sie: „Es haben sich ganz neue Horizonte eröffnet."
Der Weg in die Krankenhausseelsorge
Es hätte sie gereizt, als Pfarrerin zu arbeiten, doch das wäre mit ihrem Familienleben nicht vereinbar gewesen. Nach dem Abschluss 2023 beginnt sie stattdessen eine Ausbildung in der interreligiösen Krankenhaussorge für Ehrenamtliche. Wieder geht es ihr um tiefergehende Fragen nach dem Leben und seinem Sinn. Zuzuhören, dem Raum zu geben, was auf der Seele liegt, das habe sie als sinnstiftend und erfüllend empfunden: „Ich wollte gucken, ob ich das kann".
Sie findet sich in dem Bereich wieder und schließt eine Ausbildung zur hauptamtlichen Krankenhausseelsorgerin an, stockt ihre Stelle auf und arbeitet zusätzlich zum ServiceCenter als Vertretung in der Seelsorge im Krankenhaus. Bis sie gefragt wird, ob sie sich die Leitung der Krankenhausseelsorge im Erzbistum Hamburg vorstellen könne. Das Puzzle fügt sich wie von selbst zusammen.
Die neue Stelle gibt ihr die Chance zu gestalten und die Krankenhausseelsorge weiterzuentwickeln - gemeinsam mit ihrem 17köpfigen Team und oft auch mit den evangelischen Kolleginnen und Kollegen. Viele Hilfesuchende wissen zum Beispiel nicht, dass sie sich auch per Telefon, Chat oder Mail an die Krankenhausseelsorge wenden können. Da ist Öffentlichkeitsarbeit gefragt. Diese soll die katholische Kirche auch darin unterstützen, Menschen für die Krankenhausseelsorge zu gewinnen. Denn neben den Hauptamtlichen werden zukünftig auch immer mehr ehrenamtliche Menschen gesucht, die sich in der Krankenhausseelsorge engagieren möchten. Im protestantischen Norden ist das nicht leicht. Stefanie Hanke scheut sich vor solchen Aufgaben nicht. Krankenhausseelsorge als Ort kirchlichen Lebens zu unterstützen, das ist ihr Ziel. Hier erlebt sie auch den ökumenischen Geist als besonders stark. „Die Krankenhausseelsorge ist ein ökumenisches Thema. Gemeinsam zu gucken, wo es hingeht, das macht mir sehr viel Spaß."
Wenn Sie Fragen zur katholischen Krankenhausseelsorge haben oder sich bewerben möchten, finden Sie die Kontaktdaten zu Stefanie Hanke hier: Krankenhausseelsorge im Norden – Krankenhausseelsorge im Erzbistum Hamburg
Kommentare